Konstruktive Forderungen in einem Meer von Blödsinn

Erstellt von Sahba am Donnerstag 4. Februar 2010

Aus der Vollversammlung im November und der darauf folgenden Besetzung hat sich so manches entwickelt. Das Rektorat zeigte sich gesprächsbereit, ließ Arbeitsgruppen einrichten und signalisierte, dass die Studierenden auch in Zukunft an der Verbesserung der Lehre mitarbeiten sollen. Die Frage ist nun, was die Leute, die da über die Ausgestaltung des Studiums mitbestimmen wollen eigentlich fordern. Wenn man sich den Forderungs- und Fragenkatalog aus Besetzung und Vollversammlung anschaut, merkt man: es sind vor allem viele Forderungen und deren Trefferquote ist gering. Nur wenige von ihnen scheinen durchdacht zu sein.
Natürlich sind Studiengebühren in ihrer derzeitigen Form weiterhin nicht zu befürworten und der Hochschulrat ist größtenteils nutzlos und illegitim. Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Natürlich wünscht sich auch jeder die bestmögliche Lehre. Es werden aber auch Punkte kritisiert und angegriffen, die damit wenig zu tun haben. So wird das Bachelor/ Master-System unreflektiert angegriffen und man bezieht auf sich Kinderkrankheiten der neuen Studiengänge, welche nur durch Erfahrungen mit dem System und nicht mit dessen Abschaffung behoben werden können. Man sitzt außerdem dem Irrglauben auf, dass es für jeden Bachelor-Absolventen einen Masterplatz geben sollte. Das würde am ganzen Grundgedanken des Systems vorbei gehen und käme einem abgeänderten Diplom gleich. Auch wird immer wieder der Umgang von Dozenten mit Studierenden moniert, aber wo lässt sich das besser ausräumen als in einem direkten Gespräch? Stattdessen wird nach einer höheren Instanz gesucht, die das Problem lösen soll. Dies kommt der Suche nach einer Ersatzmutti gleich, die mal dem bösen Lehrer auf die Finger klopfen soll.
Eigenverantwortlichkeit zu fordern und diese dann auch auszuleben sind offenbar zwei vollkommen verschiedene Dinge für manche Teilnehmer der Vollversammlung und des Bildungsstreiks.
Dazu kommt, dass man weniger Elitenbildung will. Wo aber werden Eliten gebildet, wenn nicht an Hochschulen? Eine Wissenselite ist wichtig für ein Land wie Deutschland. Keiner sagt, dass diese auf einmal den Rest der Bevölkerung unterdrücken wird. Wir sind immer noch eine Demokratie.
Richtig ist, dass sozialer Aufstieg besser möglich werden muss, aber das ist nicht erreicht, wenn andere dümmer werden. Es bleibt zu hoffen, dass die gebildeten Arbeitsgruppen konstruktive Ergebnisse liefern und dass diejenigen, die ihr Studium fortführen, anstatt an dessen Verbesserung zu arbeiten, auch wirklich Verbesserungen erfahren und dass sich die Arbeitsgruppenmitglieder nicht einfach nur besser fühlen, weil sie sich einreden, etwas erreicht zu haben.

Kommentar von Henning Bielefeld
Stellvertreter der LHG Bielefeld

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